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Kreativ und draußen

Artikel von Kirsten Niemann in der Berliner Zeitung vom 02.04.2011

An 16 bundesdeutschen Hochschulen kann man Landschaftsarchitektur studieren, zuvor ist eine Lehre sinnvoll.


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Ab durch die Hecke

Artikel von Christa Hasselhorst in der Welt am Sonntag, 6. September 2009

Sie strukturieren Gärten, schützen vor neugierigen Blicken und bieten Vögeln ein Zuhause. Dabei müssen Hecken keinesfalls immer grün sein: Zu Thuja und Buche gibt es vielerlei Alternativen.

Eine Hecke ist die schönste und ökologischste Art, den Garten vom lieben Nachbarn abzugrenzen. Ein lebendiger grüner Wall, der als formschöner Sichtschutz neugierige Einblicke verwehrt und als Windschutz ein günstiges Mikroklima für die Pflanzen erzeugt. Innerhalb eines Gartens ist die Hecke ein architektonisches Element, das dem Gelände Struktur gibt, intime und überraschende Areale schafft. Sie wirkt, wie in einem Bühnenbild, als dekorative Kulisse, vor der Rosen und farbige Stauden wirkungsvoll in Szene gesetzt werden.

Hecken schützen oder teilen auf viel sanftere Art als Mauern. Berühmtestes Beispiel neben den Heckenkabinetten der Barockgärten (gern für galante Rendezvous genutzt) ist der Garten im englischen Sissinghurst, einst von Vita Sackville-West so virtuos gestaltet, dass ihre „grünen Zimmer“ bis heute vielfach kopiert werden. Doch wenn es um die Pflanzenauswahl geht, sind die Deutschen einfallslos. In den meisten Gärten regieren Thuja, Kirschlorbeer und Buche. „Mehr Mut zu neuen Hecken“ fordert der Berliner Landschaftsarchitekt Georg von Gayl und ermuntert Gartenbesitzer, gerade jetzt zur Pflanzzeit (Nadelgehölze ab September, Laubgehölze ab Oktober, beide maximal bis vor Frostbeginn) nicht immer zu den Traditionsgehölzen zu greifen. Er selbst überrascht auf der Bundesgartenschau (Buga) in Schwerin mit einem Hecken-Labyrinth aus 50 verschiedenen Pflanzen, bei dem Laien entzückt staunen und selbst Profis wie er noch dazulernen.

Laubabwerfende Hecken

„Die originellste ist aus Zierapfel (Malus Hybride ‚Evereste‘), ein Vorschlag der Baumschule Lorberg, die alle Hecken lieferte“, sagt von Gayl. Wer sich mit diesen Bäumen abschirmt, genießt im Frühling weiße Blüten und im Herbst prachtvolle rote Früchtchen.

Hecken müssen keinesfalls immer grün sein! Ein blühendes Kunstwerk ist eine Hecke aus Pfaffenhütchen (Euonymus alatus) mit den leuchtend roten (giftigen!) Früchten, die an bizarren Zweigen mit Korkleisten wachsen. Als Paravent zum Drübergucken eignet sich die Zwerg-Blutpflaume (Prunus cistena), mit erst herrlichen weiß-rosa Blüten, später schwarz-roten essbaren Früchten und vor allem purpurroten Blättern. Wegen ihres Laubes in fast violettem Purpur ist eine Hecke aus Rotbuche (Fagus sylvatica purpurea) sehr nobel. Ähnlich wie bei der beliebten Hainbuche bleibt das gefärbte Herbstlaub fast bis ins Frühjahr haften (und ist danach guter Kompost), wenn der frische grüne Austrieb startet.

Immergrüne Hecken

„Die meisten Gartenbesitzer wollen mit ihrer Hecke die Quadratur des Kreises“, ist von Gayls Erfahrung: „Sie soll schnell wachsen, preiswert sein, pflegeleicht und am liebsten immergrün.“ Die immergrüne Hecke ist begehrt, weil sie noch im Winter Blickschutz bietet und obendrein Augenweide

in der tristen Jahreszeit ist. Thuja (Lebensbaum), Gärtners Liebling mit dem frischen Grün, wächst recht schnell und ist relativ preiswert. Um die Thuja-Hecken-Katastrophe zu vermeiden – “ 50 Zentimeter hohe Kegel, gestreng in einer Reihe aufmarschierend“ – rät von Gayl: „Thuja ist nur schön, wenn er gut geschnitten wird und groß ist.“

Er findet Hecken aus Eibe (Taxus baccata) viel attraktiver. „Sie wirken edler, haben leuchtend rote Früchte, ertragen Schatten besser. Sie sind sehr schnittverträglich und treiben sogar noch aus alten Stümpfen. Aber sie sind teurer und wachsen viel langsamer.“ Neben den markanten dunkelgrünen gibt es auch Sorten mit gelben oder gelbbunten Nadeln (giftig!).

Eine weitere Außenseiter-Empfehlung des Heckenexperten: Wacholder, normalerweise als Strauch oder Solitär-Baum eingesetzt. Doch das Gehölz eignet sich auch als originelle Hecke. „Er ist hochwachsend, blickdicht, starkwüchsig, robust, verträgt Formschnitt.“

Den besten Schutz gegen ungebetene Gäste garantiert eine Hecke aus Stechpalmen (Ilex). Durch diese stachlige Schönheit wäre selbst Dornröschens Prinz nicht gedrungen. Jeder kennt und fürchtet die Dornen der spitzzackigen dunkelgrünen Blätter, so glänzend, als würden sie allmorgendlich frisch poliert. Gerade darum für von Gayl „eine tolle Heckenpflanze mit effektvollen roten Beeren“. Schönheit hat ihren Preis, Ilex kostet in ein Meter Breite und rund 2,25 Meter Höhe um 1000 Euro. Für Individualisten perfekt: die auf der Buga zu bewundernde Sorte „meserveae Heckenfee“, die im Mai mit duftenden weißen Blüten betört.

Attraktiv ist auch der Feuerdorn (Pyracantha): dunkelgrüne glänzende Blätter, erbsengroße Früchte in Orange, Rot oder Gelb, die Dornen sitzen an den Zweigen. „Man kann ihn als Formgehölz schneiden, er wächst sehr dicht, braucht aber viel Sonne“, so Gayl. Wer mit einer Feuerdornhecke prunken will, (mit bis zu 1,30 Meter Höhe eher ein Strukturgeber), braucht Geduld: „In den ersten fünf Jahren wächst er sehr langsam. Aber dann!“

Ebenfalls mit reichlich Dornen versehen sind die großblättrige „Berberis julianae“ (immergrün und viele kleine gelbe Blüten im Mai/Juni) und „Berberis thunbergii“, die durch spektakuläre rote Herbstfärbung besticht – ein allerdings laubabwerfendes Gewächs.

Unverzichtbares immergrünes Mobiliar bleibt das blühende Bollwerk Rhododendron. Damit er dicht wächst, ist der richtige Boden unabdingbar (locker-humos, keine Staunässe, pH-Wert zwischen 4,5 und 5,5). Fast noch wichtiger ist die richtige Luft. „Rhododendron braucht Seeklima und hohe Luftfeuchte.“ Deshalb gedeihe Rhododendron in Norddeutschland am besten. Schließlich vertrage er auch strenge Fröste nicht.

Ein geradezu flammendes Plädoyer hält der Heckenspezialist allerdings für Liguster (Ligustrum). Der hat fast nur gute Eigenschaften: Er wird bis zu drei Meter hoch, ist robust, wächst schnell (in einer Saison 20 Zentimeter), lässt sich in beliebige Form schneiden, bezaubert im Juni mit cremeweißen zarten Blütenrispen, im Herbst mit blauschwarzen Beeren. „Die ledrig-glänzenden Blätter werden zwar Ende des Winters abgeworfen, aber nach vier Wochen wird neues Laub gebildet“, tröstet der Gartenarchitekt. Preiswert ist die Zierde auch: verpflanzter Strauch mit acht Trieben, 60 bis 100 Zentimeter Höhe, circa fünf Euro. Auffälliger ist Gold-Liguster (‚Aureum‘) mit panaschierten Blättern (grün mit goldgelbem Rand), mit dem man Farbtupfer setzen kann.

Besser als sein Ruf ist der recht preiswerte Klassiker Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus). Ein schnellwüchsiger, austriebsfreudiger Lückenfüller, der dicht und kompakt wächst (sogar im Schatten) und mit glänzendem Laub in grünen Nuancen ganzjährig erfreut. „Im Mai bringen die weißen Trauben-Blüten tollen Effekt“, lobt von Gayl die Pflanze und verweist gleichzeitig auf ihre Artenvielfalt. Die Sorte „Rotundifolia“ hat breitere, eiförmige Bältter, die der „Herbergii“ sind elegant gespitzt.

Mit der exklusivste, langsamwüchsige (circa 10 Zentimeter pro Jahr) grüne Schutzwall ist aus Buchs (Buxus sempervirens). Buchshecken konturieren den Garten unnachahmlich elegant. Georg von Gayl: „Sie machen ihn ‚angezogen‘ und kostbar.“ Ideal für Formschnitt, hier darf der Gärtner Fantasie und Können ausleben. Buchshecken müssen nicht kastenförmig sein, sie können sich, wie bei dem berühmten belgischen Gartendesigner Jacques Wirtz, als große amorphe Wolken schlängeln.

Ob Nadel- oder Laubhecke – grundsätzlich rät von Gayl: „Eine schöne dichte Hecke braucht Sonne, sonst wird sie bald unten lichter.“ Deshalb sollten die meisten Arten konisch, also nach unten breiter werdend, geschnitten werden. Auch wenn die Hecke schnell hoch wachsen soll, gilt: „Regelmäßiger Schnitt, das bedeutet ein bis zwei Mal pro Jahr rund ein Drittel des Neu-Austriebs, ist für kompakten Wuchs ganz wichtig!“ Der Schnitt regt zu neuem Austrieb an.

Wer seine Hecke als Brutstätte und Zuhause für Vögel etablieren möchte, sollte Folgendes beachten: „Alles, was dicht und höher als 1,80 Meter ist, eignet sich für Vögel, damit Nesträuber wie Katzen und Elstern keine Chance haben“, empfiehlt von Gayl. Ideal sind Buchen, Weiß- und Feuerdorn, die mit ihren Beeren Vögeln ein reiches Buffet bieten. Und dann futtern die Vögel zum Dank sogar schädliche Insekten aus der Hecke.